
Block 01 · Wahlen
Vier Wahlräume, kein einheitliches Deutschland
Zerfällt Deutschland politisch in sehr unterschiedliche regionale Wählermärkte – oder war Sachsen-Anhalt ein regionaler Ausschlag?
BelegtWas wissen wir wirklich?
Sachsen-Anhalt: AfD 43,8 Prozent, 39 von 83 Sitzen, keine absolute Mehrheit. Niedersachsen kommunal: CDU 27,2, AfD 15,9. Berlin und MV wählen am 20. September.
PlausibelWas ergibt daraus nachvollziehbar Sinn?
Vier Wahlräume, kein einheitliches Deutschland. Die Fünf-Prozent-Hürde kann in fragmentierten Parlamenten über Sitze entscheiden.
OffenWas fehlt noch?
Wer in Berlin und MV vorn liegt. Ob Sachsen-Anhalt ein regionaler Ausschlag war oder Teil einer breiteren Entwicklung.
SpekulationWelche weitergehende Lesart entsteht daraus?
Nach Sachsen-Anhalt sagen: Deutschland wählt jetzt so. Eine eigene Prognose, wer Sonntag vorne liegt.
Sachsen-Anhalt – das politische Erdbeben
Am 6. September gewann die AfD die Landtagswahl mit 43,8 Prozent. CDU 17,2, SPD 9,3, Grüne 8,9, Linke 8,6, BSW 5,3. Die AfD erhielt 39 der 83 Sitze – keine absolute Mehrheit.
2021: AfD 20,8 Prozent, CDU 37,1. Der AfD-Anteil hat sich mehr als verdoppelt. Die CDU ist eingebrochen.
CDU, SPD und Grüne zusammen: 31 Sitze. AfD: 39. Linke: 8. BSW: 5. Die anderen im Landtag vertretenen Parteien haben eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Das BSW will Sachentscheidungen nicht grundsätzlich von der AfD abhängig machen.
Die Machtfrage hinter dem Ergebnis: Was passiert, wenn die stärkste Partei keine Mehrheit besitzt, die bisherigen Koalitionsgrenzen die Mehrheitsbildung aber verengen? Das ist zuerst eine Frage möglicher Mehrheiten, nicht eine Empfehlung, wer regieren sollte.
Niedersachsen – die Wahl, über die weniger gesprochen wird
Am 13. September Kommunalwahlen. CDU 27,2, SPD 24,6, AfD 15,9, Grüne 14,1 Prozent. Die AfD gewann 11,3 Punkte gegenüber 2021 und überholte landesweit die Grünen. CDU und SPD verloren Stimmen. Wahlbeteiligung 64,6 Prozent.
Keine Landtagswahl. 2.182 kommunale Vertretungen, teilweise Bürgermeister und Landräte.
Braunschweig: SPD 27,6, AfD 11,8. Salzgitter, 27. September: Stichwahl Frank Klingebiel (CDU) gegen Patricia Mair (AfD). Weitere Stichwahlen unter anderem in Hannover, Braunschweig, Hildesheim, Northeim.
Sachsen-Anhalt: sehr starker AfD-Zuwachs. Niedersachsen: ebenfalls Zuwachs, aber CDU kommunal landesweit vorn. Ein Bundesland nicht auf ganz Deutschland hochrechnen.
Berlin – Sonntag wird es eng
Am 20. September Abgeordnetenhaus und Bezirke. Rund 2,5 Millionen Wahlberechtigte. Erstmals dürfen 16- und 17-Jährige beim Abgeordnetenhaus mitstimmen.
Kein klarer Spitzenreiter. Eine ZDF-Projektion: Linke 23, CDU 21 Prozent. Andere Erhebungen sehen beide gleichauf. Das sind Umfragen, keine Ergebnisse. Geringe Abstände liegen oft in der Fehlertoleranz.
Das wichtigste Thema ist bodenständig: Wohnen. Mieten, Wohnungsbau, Verkehr, Verwaltung, innere Sicherheit – und wer das Rote Rathaus führt. Ein anderer Wahlkampf als in Sachsen-Anhalt.
Mecklenburg-Vorpommern – das zweite Rennen
Dieselbe Sonntag, der Landtag. Die Umfragen sind nicht einheitlich. ARD vom 10. September: AfD fünf Punkte vor der SPD. ZDF-Politbarometer heute: SPD 37, AfD 36.
Einzelne Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Seriös ist nur: SPD und AfD liegen eng beieinander; Institute messen unterschiedliche Reihenfolgen. Eine eigene Prognose, wer Sonntag vorne liegt, wäre nicht seriös.
Die eigentliche MV-Frage beginnt hinter Platz eins
Auch die stärkste Partei braucht eine parlamentarische Mehrheit. Kleinere Parteien liegen teilweise nahe der Fünf-Prozent-Hürde. Ob eine Partei bei 4,9 oder 5,1 landet, kann Sitze und Koalitionen verschieben.
Sonntag nicht nur den Balken ganz links lesen. Wer überschreitet fünf Prozent? Dort kann sich die Regierungsbildung entscheiden.
Drei Wahlen – drei Deutschlandbilder
Sachsen-Anhalt: AfD 43,8, CDU 17,2. Niedersachsen kommunal: CDU 27,2, SPD 24,6, AfD 15,9. Berlin: Umfragen sehen Linke und CDU um Platz eins. MV: SPD und AfD eng.
Vier Wahlräume, völlig unterschiedliche Landschaften. Nach Sachsen-Anhalt nicht sagen: „Deutschland wählt jetzt so.“ Berlin nicht als das ganze Land lesen. Die regionalen Unterschiede sind enorm.
Die Nachricht hinter den Wahlen
Drei Verschiebungen, die wir nach Sonntag prüfen: Besitzen CDU und SPD nicht mehr überall die beiden dominierenden Positionen? Bekommt die Fünf-Prozent-Hürde in fragmentierten Parlamenten enorme Bedeutung? Laufen Landes- und Bundespolitik auseinander – Wohnen in Berlin, andere Prioritäten in MV, eine andere Konstellation in Sachsen-Anhalt?
Die spannendere Frage als „Wer gewinnt Deutschland?“: Zerfällt Deutschland politisch in sehr unterschiedliche regionale Wählermärkte? Das prüfen wir an den tatsächlichen Ergebnissen.
Was Sonntag entschieden wird
20. September: Berlin Abgeordnetenhaus, MV Landtag. Innerhalb von zwei Wochen drei Parlamentswahlen – 6. September Sachsen-Anhalt, 20. September Berlin und MV. Am 27. September kommunale Stichwahlen in Niedersachsen. Bundestagswahl: 2029.
Erst danach: War Sachsen-Anhalt ein spezieller Ausschlag oder Teil einer breiteren Entwicklung? Sonntagabend nebeneinanderlegen: Wahlbeteiligung, Stadt und Land, Altersgruppen, Themen, Wanderungen, Sitzarithmetik.
Bundeswahlleiterin · tagesschau Sachsen-Anhalt · NDR Niedersachsen · rbb Berlin · ZDF-Politbarometer 18.09. · bpb Wohnen Berlin
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